Zwi­schen Leip­zig und Wien. Die Ent­ste­hung des ers­ten gro­ßen Wör­ter­buchs der pol­ni­schen Spra­che

11.11.2025 | Samu­el Bogu­mił Lin­de (1771–1847) stamm­te aus einer schwe­di­schen Fami­lie, die sich in Thorn nie­der­ge­las­sen hat­te. Berühmt wur­de er als Ver­fas­ser des sechs­bän­di­gen Wör­ter­buchs der pol­ni­schen Spra­che, das zwi­schen 1807 und 1814 erst­mals erschien und bis heu­te zu den bedeu­tends­ten Wer­ken der pol­ni­schen Sprach­ge­schich­te zählt. Lin­de begann sei­ne Aus­bil­dung in Thorn und setz­te sie ab 1789 an der Uni­ver­si­tät Leip­zig fort. Dort wid­me­te er sich inten­siv der Sprach­wis­sen­schaft und wur­de schließ­lich Lek­tor für Pol­nisch. In die­ser Zeit, unter dem Ein­druck der pol­ni­schen poli­ti­schen Emi­gra­ti­on nach der ers­ten und zwei­ten Tei­lung Polens, ent­stand die Idee zu einem umfas­sen­den Wör­ter­buch der pol­ni­schen Spra­che. Den größ­ten Teil die­ses monu­men­ta­len Wer­kes rea­li­sier­te Lin­de in Wien, wo er neun Jah­re lang als Biblio­the­kar in der pri­va­ten Biblio­thek von Józef Mak­sy­m­i­li­an Osso­liń­ski tätig war. Aus die­ser Biblio­thek ging spä­ter das berühm­te Osso­li­ne­um her­vor.

Die Prä­sen­ta­ti­on zeich­net Lin­des Weg von Thorn über Leip­zig nach Wien nach und beleuch­tet die Ent­ste­hung eines der bedeu­tends­ten Wer­ke der pol­ni­schen Sprach­ge­schich­te – ein fas­zi­nie­ren­des Kapi­tel euro­päi­scher Geis­tes- und Kul­tur­ge­schich­te, das die wis­sen­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Ver­bin­dun­gen zwi­schen Polen, Sach­sen und Öster­reich sicht­bar macht.

Die Vor­le­sung ist dem 150. Jah­res­tag der Grün­dung der Sla­wis­tik an der Uni­ver­si­tät Leip­zig gewid­met, deren insti­tu­tio­nel­le Anfän­ge mit der Beru­fung von August Leski­en auf die Pro­fes­sur im Jahr 1876 ver­bun­den sind. Die dama­li­gen Mit­glie­der der „Socie­tas Jablo­no­vi­a­na“ tru­gen maß­geb­lich zur Ein­rich­tung die­ses Lehr­stuhls bei.

 

Prof. Dr. Bogus­ław Dybaś ist ein  His­to­ri­ker und Pro­fes­sor für Geschich­te. Er lehrt an der Fakul­tät für Geschichts­wis­sen­schaf­ten der Niko­laus-Koper­ni­kus-Uni­ver­si­tät in Toruń (Thorn) sowie am Insti­tut für Geschich­te der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (IH PAN). Dybaś stu­dier­te Geschich­te an der Niko­laus-Koper­ni­kus-Uni­ver­si­tät in Toruń und pro­mo­vier­te dort 1987 bei Prof. Jacek Sta­szew­ski mit einer Arbeit über den Sejm pacy­fi­ka­cy­j­ny (Pazi­fi­ka­ti­ons­sejm) von 1699. Die Habi­li­ta­ti­on im Fach Geschich­te (Schwer­punkt Frü­he Neu­zeit) folg­te 1998 mit der Stu­die For­te­ce Rzec­zy­pos­po­li­tej, in der er den Fes­tungs­bau im pol­nisch-litaui­schen Staat des 17. Jahr­hun­derts unter­such­te. Im Jahr 2001 über­nahm er eine Pro­fes­sur an der Uni­ver­si­tät Toruń. Von 2007 bis 2019 lei­te­te Dybaś das Wis­sen­schaft­li­che Zen­trum der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten in Wien. Sei­ne For­schungs­schwer­punk­te lie­gen in der poli­ti­schen und ver­fas­sungs­ge­schicht­li­chen Ent­wick­lung der pol­nisch-litaui­schen Adels­re­pu­blik in der Frü­hen Neu­zeit, in der Mili­tär- und Fes­tungs­ge­schich­te sowie in der Geschich­te Liv­lands und des Ost­see­raums.

Die­se Ver­an­stal­tung fin­det in Koope­ra­ti­on mit dem Zen­trum für His­to­ri­sche For­schung Ber­lin der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten statt.

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